Mara Winter - Am Anfang der Fantasie || Tagebuch eines Autors || mit Gewinnspiel

24 Juni 2015

Tagebuch eines Autors. Autorin - am Anfang der Fantasie. Mara Winter

 Da ich es für euch ja immer wieder etwas spannend machen möchte, hier wieder eines meiner neueren Projekte. Interviews waren Gestern! Heute kommen die TAGEBÜCHER der Autoren in Mode :) Habt Einblicke in die Gedankenwelt eines Autors, noch bevor er einer war /oder sich dessen bewusst war das sein weg ihn dorthin führt.

Autoren. Auch diese werden nicht als solche geboren sonder wachsen heran. Erarbeiten sich ihre Geschichten, tauchen in die tiefen ihrer Fantasie, bis sie sich endlich entschließen dies alles auf Papier zu bringen. So wie Bücher eine Entstehungsgeschichte haben, so haben es auch die Autoren. Manche sind vielleicht genau so fantastisch wie die Geschichten in Ihren Büchern, manche sind simple. Schluss und endlich, hoffen wir, treffen wir uns alle am Ende vom Anfang - Autoren am Anfang der Fantasie. Die Geschichte und der weg von einer Person zum Schriftsteller. 

Autoren kann jeder Interviewen. Aber hier bringe ich euch die Entstehungsgeschichte, noch bevor die Reise mit ihren Büchern begonnen hat, näher.

Viel Spaß heute mit der LIEBEN MARA WINTER. 


ca. 1986

Als mir das erste mal bewusst wurde, dass ich etwas schreiben wollte, war ich viel zu jung, um darüber zu reflektieren. Ich habe einfach angefangen, "Bücher" zu schreiben, sobald ich irgendwie schreiben konnte. Ich habe Papier gefaltet, geschnitten und getackert und meine eigenen Büchlein gebastelt.

In den nächsten Jahren habe ich alleine und mit Cousin und Cousine weiter"gearbeitet".
Ich habe auch einmal ein komplettes Hörspiel auf Kassette gesprochen (Ihr erinnert euch? Das waren die Dinger mit den zwei Löchern, die man drehen musste, wenn sich das Band verfangen hatte...)
Ich habe auch meine beste Freundin gequält, der ich immer Geschichten erzählen wollte, "weil sie einfach in meinem Kopf sind und raus wollen".

1991

In diesem Jahr habe ich mit meinen Freunden einige "Zeitschriften" erstellt, angelehnt an BRAVO. Zu unserer "Applaus" haben wir sogar mit meinem alten Camcorder eine (grauenvolle) Folge Applaus-TV gedreht.

1995

In meiner Teeniezeit bin ich überwiegend mit erstem Freund und Liebeskummer beschäftigt. Dennoch finde ich die Zeit, den Plot zu einer schrecklich klischeehaften offenbar amerikanischen Teenie-Schulromanze niederzuschreiben. (Die Personen heißen Parker, Linda...den Rest weiß ich nicht mehr.)

1999

Deutsch ist seit Jahren mein Lieblingsfach, ich schreibe sehr gerne Aufsätze und liebe Literatur. (Bin wohl die einzige, die freiwillig in ihrer Freizeit Sekundärliteratur liest.)

Trotzdem erinnere ich mich genau, dass ich in dieser Zeit denke, ich könne keine Belletristik schreiben, weil man mit Sprache alleine nicht alles ausdrücken kann, was man denkt und fühlt. Das Leben erscheint mit einfach zu komplex.

(Kleine Ausnahme: Bin schrecklich verliebt und schreibe ein Liebesgedicht. Zeige es sogar der angebeteten Person im Deutschunterricht, sage aber nicht dazu, dass es für ihn ist. Logisch. Aus der Sache mit dem Typen wird nichts. Aus der Sache mit dem Schreiben schon.)

2000

Ich setze mich hin und schreibe meine erste Kurzgeschichte. Sie ist von Anfang bis Ende in meinem Kopf und ich bin sehr zufrieden damit.

2001

In einer seltsamen Stimmung (bin grade neu nach Köln gezogen, stehe zwischen zwei Männern und am Anfang der Schauspielschule, alles ist neu und aufregend und beängstigend) lasse ich nachts vier Stunden lang das Lied:"Clubbed to Death" laufen und schreibe in dieser Zeit mein erstes "richtiges" Gedicht, das ich auch später noch gut finden werde.

Ab 2002 schreibe ich regelmäßig Gedichte und Kurzgeschichten. Ich beginne, in Autorenforen zu forschen und Bücher übers Schreiben zu lesen. Ich schicke meine Texte zu Anthologieausschreibungen und Wettbewerben und bin total glücklich, als die erste Kurzgeschichte abgedruckt wird.
Ich kann mich jedoch extrem lange nicht für ein Pseudonym entscheiden. Mein richtiger Name ist mir zu lang und zu holprig, und ich möchte mir vor allem auch etwas Anonymität bewahren, für den Fall, dass ich irgendwie berühmt werde.
Die ersten Geschichten erscheinen unter dem Namen, den ich auch für meine "Schauspielkarriere" benutze. Ich bin froh, als ich beides zusammen nach drei Jahren ablegen kann, als mir klar wird, dass ich doch auf gar keinen Fall mehr Schauspielerin werden möchte.


2006

Ich habe mich entschieden, nach einem Literaturagenten zu suchen. Ich rufe bei einer renommierten Agentur an und habe den Inhaber am Telefon. Er spricht lange und interessiert mit mir. Ich darf ihm drei Geschichten schicken. Ihm gefällt mein Stil, er sagt mir aber, dass er einen Roman braucht. Er schlägt mir etwas im Genre "Chick Lit" vor, was ich empört ablehne. "Frauenbücher" sind mir zu seicht und oberflächlich.
In dieser Zeit schreibe ich vor allem ernste und düstere Texte. Bisher lese ich auch nur "anspruchsvolle Literatur".

2007

Ich schreibe den Anfang zu einem düsteren Jugendroman. Mehrere lange Telefonate mit dem Agenten, bei denen er mir wirklich gute Tipps gibt. Er schickt mir ein sehr gutes Buch, das ich durcharbeite.
Mein neues Pseudonym, den Mädchennamen meiner Oma, findet er aber langweilig und "unsexy".
Er lädt mich ein, ihn zu besuchen. Hätte hellhörig werden sollen, als er mich nicht in sein Büro, sondern zu sich nach Hause bat, wo er "mehr Zeit für mich" hätte.
Hatte er dann auch, aber er wollte sich lieber mit mir betrinken und sich dann meinen körperlichen Vorzügen widmen. Meine Geschichte, die ich mitgebracht hatte, las er widerwillig und sagte, sie sei nicht schlecht, aber das Genre "Entwicklungsroman" interessiere ihn nicht.
Er akzeptierte meine Zurückweisung, aber die Stimmung war danach ziemlich kaputt und wir waren sicher beide erleichtert, als ich wieder nach Hause fuhr.

2008: 

Mein Sohn kommt auf die Welt und ich schreibe meine Abschlussarbeit zu einem literaturwissenschaftlichen Thema, die ich kurz danach auf GRIN veröffentliche. Durch diese Veröffentlichung verdiene ich tatsächlich mehrmals um die drei Euro und in einem unglaublichen Quartal sogar einmal 19 Euro :) .


2009 

Der nächste Agent scheint "koscher" zu sein, da er sich nur mein Manuskript anschaut udn kein persönliches Treffen möchte. Er wird zu dieser Zeit auch auf der Seite uschtrin.de empfohlen. Ich unterschreibe einen Vertrag. Leider will er mich danach zu einem kostenpflichtigen Lektorat überreden. Ich kündige den Vertrag und lese kurz darauf viele Berichte über die Agentur Lindbergh und Well, die systematisch Autoren ausgenommen hat.
Zum Glück habe ich nichts bezahlt.

Meine beste Freundin überredet mich, den Frauenromanen doch noch eine Chance zu geben. Ich weigere mich anfangs, aber sie zwingt mich, Kerstin Gier und Steffi von Wolff zu lesen.
Ich lese "Fremd küssen" und "Für jede Lösung ein Problem" und verliebe mich in die Autorinnen und das Genre. Ja, es gibt immer noch viele schlechte, klischeehafte, langweilige Frauenromane, aber es gibt auch originelle, witzige Bücher in diesem Genre.


2010

Ich habe den Plot zu einem Mädchenunterhaltungsroman im Kopf, der zwar ins Genre Chick Lit passt, mir aber trotzdem gefällt. Ich schreibe die erste Fassung zu "Summa cum Liebe" und schicke die ersten 40 Seiten an mehrere Literaturagenturen. Es gibt einige positive Reaktionen, aber keinen Vertrag.

Inzwischen habe ich mein Germanistikstudium abgeschlossen und arbeite bereits als Redakteurin bei einem kleinen Magazin.

2011

Ich treffe einen neuen Agenten, der sehr sympathisch und kompetent ist. Ich bin erleichtert, als er weder "männliches" Interesse an mir zeigt, noch Zuschüsse zum Lektorat verlangt.
Wir telefonieren in den kommenden Monaten öfters. Er gibt mir viele gute Tipps, aber letztendlich kommen wir doch nicht zusammen, weil ihm mein Manuskript zu unglaubwürdig und zu überdreht vorkommt. Bestimmte Stellen will ich aber nicht ändern.
Ich lege ihm einen neuen Romanentwurf vor, der ihm leider auch nicht besonders gefällt.
Zum Glück habe ich nur einen Probevertrag unterschrieben.

Obwohl die Zusammenarbeit letztlich gescheitert ist, behalte ich ihn als seriös, kompetent und sympathisch in Erinnerung.

2012

Ich überarbeite "Summa cum Liebe" komplett. (Die Zeit ist knapp, da meine Tochter in diesem Jahr zur Welt kommt).



2013

Ich schreibe erneut mehrere Literaturagenturen an. Eine kleinere bietet mir einen Vertrag an und ich fahre nach Berlin, um die Agentin kennenzulernen. Sie ist sprunghaft und eine interessante Persönlichkeit. Ich unterschreibe den Vertrag, erhalte aber keine Kopie des Vertrags von ihr zurück.
Ich schlage ihr drei Pseudonyme vor, sie entscheidet sich für mein zweitliebstes.
Nach anfänglichen längeren Telefonaten ist sie nun nicht mehr erreichbar. Ich versuche zehn Wochen lang, mit ihr einen Gesprächstermin zu bekommen. Auf zahlreiche Anrufe und Mails reagiert sie nicht, bis ich sie schließlich doch per Mail zu einem Telefontermin festnageln kann. An besagtem Tag ist stundenlang besetzt, bis ich abends endlich durchkomme und sie meinen Anruf wegdrückt. Ich frage noch einmal freundlich nach einem weiteren Termin, den ich nicht bekomme, bevor ich mich entschließe, aus dem Vertrag auszusteigen. (Exklusivvertrag für 2 Jahre).
Ich hole mir Hilfe bei einem Rechtsanwalt. Er schlägt mir vor, mein Vertragsangebot zurückzuziehen, da sie ja glücklicherweise verpeilt hat, mir den unterschriebenen Vertrag zurückzuschicken.
Ich komme also aus dem Vertrag heraus, bin aber extrem deprimiert und denke, dass ich es wohl nie schaffen werde, ein Buch zu veröffentlichen.


Irgendwo lese ich den Spruch "Never never never give up!" Komischerweise hilft mir diese kleine Plattitüde, die Enttäuschung zu überstehen. Schreiben werde ich sowieso immer, auch wenn mir nie eine Veröffentlichung gelingt. Ich kann mittlerweile gar nicht mehr anders, denn das Schreiben ist mein Ventil, um mit dem Leben fertig zu werden.


2014

Ich habe mich von meiner Enttäuschung erholt und entschließe mich, mein Manuskript einfach selbst an Verlage zu schicken.
Ich schreibe ca. 40 Verlage an und erhalte tatsächlich Angebote von drei kleineren Verlagen.
Hätte ich echt mal früher machen sollen!

Ich recherchiere ausführlich in Literaturforen über die Arbeitsweise der Verlage und entscheide mich dann glücklicherweise für den SIEBEN VERLAG.
Mittlerweile weiß ich auch endlich, dass Mara Winter der richtige Name für mich ist.
Kurz, einprägsam, schlicht, aber nah genug an meinem echten Namen, sodass ich mich absolut damit identifizieren kann.

Leider dauert es vom Vertragsabschluss bis zum Veröffentlichungstermin noch einmal elf Monate! Aber alles läuft super ab und ich bin hundertprozentig zufrieden mit dem Verlag, der ein wirklich wunderschönes Cover gezaubert hat.


Nun bin ich motiviert, stelle eins meiner Kinderbuchmanuskripte fertig und erhalte bereits eine Woche nach meiner Bewerbung das Angebot eines kleinen Verlags, es im kommenden Jahr zu veröffentlichen.

Ich schreibe eine neue Literaturagentur an nehme mir viel Zeit für meine Bewerbung. Ich telefoniere mit der Agentin und habe ein sehr gutes Gefühl. Kürzlich habe ich nun meinen vierten Agenturvertrag unterschrieben und bin voller Hoffnung, dass es dieses Mal mit der Zusammenarbeit klappt.

Um die Zeit bis zur Veröffentlichung zu überbrücken, melde ich mich schonmal bei Facebook an und trete verschiedenen Autorengruppen bei. Und siehe da, es gibt viele, die selbst veröffentlichen und sehr zufrieden damit sind. Ja, natürlich gibt es auch hier talentlose, selbstverliebte Möchtegernautoren, die völlig kritikresistent sind, aber auch wirklich gute Schriftsteller, die einfach alles selbst in die Hand nehmen, lektorieren lassen, sich ein tolles Cover erstellen lassen und dann ein wirklich gutes Buch auf den Markt bringen. Wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich es dann auch selbst versucht? Wahrscheinlich eher nicht. Gerade weil es in meiner Familie schon mehrere Autoren gibt, hätte man mich als Selfpublisher wohl nicht ernst genommen. Ich brauchte für mich selbst die Legitimation eines Verlags, um mich Autorin zu nennen. Jetzt ist es etwas anderes. Jetzt habe ich einen Kurzkrimi als eBook bei Amazon veröffentlicht und freue mich, dass es diese Möglichkeit gibt.

1. Juni 2015:

Und nun ist es tatsächlich soweit. Nach 16 Jahren des Schreibens erscheint heute wirklich mein Roman "Summa cum Liebe".

Wie gespannt ich auf die ersten Rückmeldungen bin, brauche ich wohl nicht zu betonen. :)

Daher: wenn ihr mein Buch lest und es euch gefällt, schreibt mir doch eine kurze Rückmeldung. Ich würde mich unglaublich darüber freuen. Danke!

Eure Mara



Und da die Liebe Mara total lieb und nett ist gibt es sogar 2 Goodibags zu Gewinnen. Einfach bis 1 Juli habt ihr zeit mir hier einen netten Kommentar dazulassen und mir zu verraten ob euch die klassischen Interviews lieber sind oder auch diese Version euch interessieren würde. 



Viel spaß und viel Glück. Bedingungen zum Gewinnspiel findet ihr unter "Disclaimer"

Kommentare:

  1. Wieder ein klasse Tagebuch von einer Autorin.... Ich mag diese Art von Interview. Ich finde es noch persönlicher und interessanter geschrieben, als immer die gleichen Fragen und Antworten zu sehen. .. Ich finde dieses hier von der Mara Winter nur ein bisschen lang.
    Aber sonst mega gut. :-)

    Ich würde mich sehr über ein goodie bag freuen. ...

    Gruß und küsschen Anne :-*

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  2. Vielen Dank für das schöne Tagebuch.
    Ich finde beide Varianten gut. Bei Interviews kann man gezielt Dinge erfragen, Tagebücher stellen dagegen die ganz persönliche Entstehungsgeschichte dar, was ich unheimlich interessant finde :-)
    LG Yvi

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  3. Mal wieder ein toller Beitrag 😍*~*
    Ich mag die Tagebücher viel lieber da ich einen Einblick in die Welt der Autorin haben kann. Die Tagebücher sind auch viel persönlicher und interessanter zum lesen.


    LG Kete

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  4. huhu du liebe :)
    schöner beitrag von dir <3 ich stehe auf so art von interview... viel persönlicher und aussagekräftiger :)
    lg und schönes we

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  5. Huhu,

    mir hat dieses Interview auch sehr gefallen. Mir ist es eigentlich egal, was für ein Interview es ist hauptsache man erfährt etwas über den Autor.

    LG Linnea

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